Projekt zur Nachkriegszeit der 9M

 

Im ersten Halbjahr hat die 9m in GSE schwerpunktmäßig das Thema „Nachkriegszeit. Geteiltes Deutschland“ durchgenommen. Neben vielen Materialien aus den Büchern, Filmdokumentationen und anderen Quellen konnten wir nicht auf die Zeitzeugenbefragungen verzichten. So haben sich einige Schülerinnen und Schüler bereit erklärt ihre Verwandten und Bekannten, die diese Zeit noch „live“ erlebt hatten, zu befragen und die Erzählungen dann in Form von Berichten zusammenzufassen. Diese Berichte wurden in der Klasse vorgetragen. Daraufhin entstanden lebhafte Diskussionen über diese sehr spannende, aber leider manchmal auch sehr traurige und schwere Zeit unserer Geschichte.

 

David: Informationen aus dem Interview mit meiner Mutter über Ost- und Westdeutschland

Meine Mutter wusste, bis sie es in der 5. Klasse lernte, nichts über die getrennten Länder. Danach fand sie die Verhältnisse der DDR recht merkwürdig, in den Bereichen Produkte, Reisen, Fernsehen, Kunst, Kultur und Literatur.

Den ersten persönlichen Kontakt zu Ostdeutschland gab es, als sie eine Jugendreise nach Berlin machte. Man durfte nur auf den Transitstrecken fahren, sah Mauern und Stacheldraht. Sie übernachteten in West Berlin, bekamen Informationen, konnten Ost Berlin sehen und machten einen Ausflug in den Ostteil der Stadt. Es war eine Anmeldung nötig und man musste 25 DM in OM umtauschen, sie aßen etwas am Alexanderplatz im Restaurant, das Essen war nicht teuer aber ordentlich leider fühlte man sich kontrolliert. Auf dem Weg Richtung Brandenburger Tor wirkte alles sehr verlassen, nur viele Trabanten (Ost Autos) waren zu sehen. Das Brandenburger Tor war für alle sehr wichtig, weil es nur in Ost Berlin von vorne zu sehen und hinzukommen war. Hier lernte Mama keine Personen näher kennen.

Anders einige Jahre später bei einer Jugendreise nach Ungarn an den Plattensee, wo auch Ost Deutsche Jugendliche hinreisen durften. Dort gab es gemeinsame Grillpartys und meine Mutter baute Freundschaften auf, aber ein Mädchen durfte ihre Adresse nicht nennen, weil ihr Vater Polizist war. Mama schickte den DDR Jugendlichen oft etwas, einmal Sanitärartikel fürs Bad, mit einer Schenkungsliste damit die Empfänger keine Schwierigkeiten bekamen.

Die Mauereröffnung bekam sie in den Nachrichten mit, ab da fuhren deren Autos durch West Deutschland das schepperte und stank heftig. Als der erste Trubel vorbei war, fuhr Mama wieder einmal nach Berlin (im Januar 1990), besuchte die Museen der Museumsinsel die Atmosphäre war nun freier und offener. Das Essen war da noch billig (einige Zeit später war der Pries angeglichen). Sie ging an die Stelle, wo die Mauer von sogenannten „Mauerspechten“ zerstückelt wurde von der meine Mutter ein paar Mauern Bruchteile mitnahm.

Dünya: Das Leben in der DDR (Erzählung der Oma)

Wie war es damals, als Deutschland noch nicht Deutschland war, also so wie wir es heute kennen, als ein ganzes Deutschland. Fast jeder weiß, dass Deutschland damals in Osten DDR (Deutsch Demokratische Republik) und in den Westen BRD (Bundes Republik Deutschland) geteilt wurde. Und obwohl die Menschen in der DDR als auch in der BRD die gleiche Sprache sprachen, die gleiche Kultur teilten, als auch die gleichen Feste feierten, galten nicht die gleichen Regeln und Gesetze. Aus unserer Sicht ist das meiner Meinung nach schwer zu verstehen, weil viele dies Spaltung nicht miterlebt haben. Aber zum Glück gibt es Leute die es erlebt haben und genau davon handelt dieser Bericht.

Als erstes befragte ich meine Oma, sie lebte vom 19.01.1962 bis zum 09.11.1989 in der DDR, ich habe sie gebeten mir ein paar positive so wie auch negative Eigenschaften der DDR zu nennen.  ,,Ich fand gut, dass die Lebensmittel aus der kamen, was ich auch gut fand war, dass die Krankenversicherung umsonst war, die Miete und die Kindergartenplätze waren gut zu bezahlen, die Kindergartenplätze sowie auch die Ferienbetreuung waren fest, dass heißt die Eltern mussten sich keine Sorgen machen, dass ihr Kind kein Platz mehr hat. Das Beste war aber, das die Menschen so herzlich miteinander umgegangen sind, jeder kannte jeden, Feste wurden anders gefeiert. Das Negative war einerseits, dass wir nicht reisen durften, Familien und Freunde wurden getrennt, nur ausgewählte Schüler durften studieren, auf ein Auto musste man 10 - 15 Jahre warten, Elektrogeräte waren sehr teuer, Musik die aus dem Westen kam durfte nicht gehört werden, da es nur sehr wenige Läden gab, gab es auch keine Mode, jeder hatte das Gleiche oder etwas Ähnliches an, die Mode war nicht zeitgerecht.“ Aufgrund dessen meine Oma Schülersprecherin war und wirklich gute Noten hatte dürfte sie das Gelöbnis für die Jugendweih sprechen, dadurch das sie  sehr viel Leistungssport betriebt, hatte sie viele Chancen, die die anderen Schüler nicht hatten, sie schloss die Ausbildung als Malerin ab, ging dann aber doch in die Politik, sie war in einer Frauenorganisation, diese stellte sie zur Bürgermeisterin auf und meine Oma gewann die Wahlen, mit gerade einmal 19 - Jahren war sie Bürgermeisterin von Jena, nebenbei studierte sie 5 Jahre lang, am Ende ihres Studiums war sie DR. der Staats und Rechtswissenschaft. Das war ein kurzer Bericht darüber wie meine Oma das leben in der DDR empfand.

Dünya: Das Leben in der DDR (Erzählung der Mutter)

Ich befragte meine Mama auch zu diesem Thema, ich habe sie gebeten mir aus ihrer Sicht positive wie auch negative Eigenschaften der DDR zu nennen, erst einmal die Positiven: füreinander miteinander jeder hat jedem geholfen, man hat die kleinen einfachen aber auch die besonderen  Dinge geschätzt wie z.B. Kaffee, Strumpfhosen und Spielzeug aus Holz.

Man hat noch Feste wie Mai Baum setzen im Dorf sehr groß gefeiert, jeder war da, es stand gar nicht zur Debatte nicht zu erscheinen. Aber was meine Mama am meisten vermisst ist Weihnachten so wie sie es damals gefeiert hat.

,,Weihnachten so wie ich es als Kind gefeiert habe vermisse ich wirklich sehr. Der Weihnachtsbaum wurde erst am 22 oder 23 Dezember geschmückt aber nicht mit Kugeln aus Plastik oder Glas sondern mit Sternen und Figuren aus Holz oder Stroh. Man hat seine Geschenke erst dann bekommen, wenn man ein Gedicht oder ein Lied aufgesagt/ bekommen hat und auch allgemein hat man in der Familie viel mehr gesungen als heute, es ging nicht darum wer das größte, beste oder teuerste Geschenk bekommen hat. Die Zeit mit Familie war das eigentliche Geschenk. Jetzt kommen die negativen Punkte, du durftest deine Meinung nicht frei sagen, man hatte keine Reisefreiheit, West Fernseher und Musik war verboten, es gab nur wenig besondere Sachen, aber was man nicht kennt kann man nicht vermissen.

Die Schulzeit/ Freizeit

Jeden Tag musste der Ordnungsdienst in der ersten Pause auf den Schulhof und vom Milchwagen die Milchflaschen ins Klassenzimmer tragen. Alle Getränke gab es nur in Glasflaschen. Die Partnerschule meiner Mama kam aus der Sowjetunion kamen manchmal nach Deutschland. Die Kinder haben früher immer Papier gesammelt und am Dienstag oder Donnerstag, das Papier wurde Gewogen und je mehr du gesammelt hast desto mehr Geld hat man bekommen.

Nico: Erzählung von meiner Tante über meine Uroma

Am 1. September 1939, als Polen überfallen wurde, war Oma 11 Jahre alt. Oma war, zu dieser Zeit eine recht ungewöhnliche Familienkonstellation, ein Einzelkind. Sie hat es gehasst und sich nichts mehr gewünscht, als Geschwister zu haben. Da ihre Mutter bei der Entbindung aber fast gestorben wäre, gab ihr Mann ihr das Versprechen, dass sie so eine Prozedur nicht noch einmal durchstehen muss.

So war Oma immer unterwegs bei der Verwandtschaft und in der Nachbarschaft. Mit anderen Kindern spielen, kleine Kinder hüten und freche Buben verdreschen.

Relativ früh hatte sie ein Auge auf einen Jungen in ihrem Alter geworfen. Mit 16 wurde er eingezogen, kam in Gefangenschaft, wo er auch seinen 18. Geburtstag erleben musste. Immerhin bekam er an diesem Tag eine Suppenkelle mehr in seinen Essensnapf, hat Opa erzählt.

Opa war das 2. von 3 Kindern einer nicht sonderlich wohlhabenden Familie. Er hatte eine ältere Schwester, der er gerne Vorschriften machen wollte. Unter anderem hat er ihr das Lesen verbieten wollen, weil eine Frau andere Pflichten zu erledigen hatte. Die Schwester war eine Leseratte und hat jede freie Minute genutzt, um Bücher zu verschlingen.

Nach der Gefangenschaft kam Opa nach Hause. Man sagt, er sei mit seiner Mundharmonika durchs Hoftor gelaufen und sei einfach wieder da gewesen.

Auf Fotos aus dieser Zeit sieht man einen jungen Mann, der genauso gut ein Schauspieler hätte sein können. Volles, schwarzes Haar, eine Figur wie Adonis.

Und Oma hat ihn gekriegt, erzählte sie stolz. Weil sie es so wollte. Ende.

Mein Vater kam als Wunderkind nur 4 Monate nach der Hochzeit zur Welt. (Dieses Phänomen zieht sich durch unsere ganze Familie).

Diese Geschichte ist uns schon als Kindern bekannt gewesen. Eine andere gab es nie.

Quelle: Meine Tante Lisa Krusch

Joschua: Erlebnis meiner Großeltern in der Nachkriegszeit von 1945 bis 1986

1945 erlebten meine Großeltern als Kinder den Rückzug der russischen Front direkt durch die Stadt. Weil sie deutsche waren wurden ihre Eltern nach Russland deportiert wo einer meiner Urgroßväter im Kriegsgefangenenlager starb, deswegen arbeitete die Mutter meiner Oma immer nur nachmittags und nachts als Weberin um ihre vier Kinder in der Früh in die Schule schicken zu können. Als deutsche wurden sie von der rumänischen Bevölkerung als Hitlisten Beschimpft.

Es war die Schulzeit meiner Großeltern da, sehr viele Schüler in eine Schule gingen und die Schule nicht genügend Klassenräume besaß, gingen die Schüler*innen von der ersten bis zur vierten Klasse vormittags und die Schüler*innen ab  der fünften bis zur zehnten Klasse nachmittags in die Schule.  Es gab sehr viele Schüler*innen die ohne Frühstück und Pausenbrot zur Schule gehen mussten. Die etwas größeren Schüler*innen versuchten in während der Ferien zu arbeiten, um mit den verdienten Geld sich Hefte und Bücher für die Schule kaufen zu können alle Schüler*innen mussten eine Uniform tragen.

Wenn man nach der zehnten Klasse noch  studieren wollte konnten dies nur Rumänen, da die Rumänen schon so viele waren und immer Vorrang hatten gab es in den Studien keinen Platz für die deutschen.

In der Heimatstadt meiner Großeltern gab es 1970 sowie 1975 zwei große Überschwemmungen  wobei sie alles verloren.

1986 zogen sie nach langen Kampf mit der Behörde nach der nach Deutschland ihr Haus das sie sich gekauft hatten mussten sie an den Staat geben ohne es verkaufen zu können.

Nuray: Die Erzählung von Anneliese (Schwester des Paten)

Ich habe von meinem Paten seiner Schwester gefragt was sie im 2.Weltkrieg erlebt hat. Anneliese hat mir erzählt das sie nicht viel mitbekommen hat, weil sie ein Kind war. Anneliese hat nur Schüsse gehört, alle Kinder die in dem Dorf gelebt haben wurden in Sicherheit gebracht.

 

Die Erzählung von meiner Patin in der Nachkriegszeit

 

Meine Patin erzählte mir dass sie bei dem Grenzübergang Zeitschriften und Schallplatten mit zur Ostzone schmuggelte. Sie hat die Zeitschriften und Schallplatten unter ihre Sitze reingelegt.                                                                         Sie wurde sogar für ein Tag ins Gefängnis gesteckt weil, sie etwas Falsches gesagt hat zur Grenzwache.

 

Die Erzählung von meinem Paten an der Grenze in die Ostzone mit schwer Behinderten

 

Als mein Pate mit den Schwerbehinderten in die Ostzone er fahren wollt, haben die Grenzwache sie nicht reingelassen wegen der Schwerbehinderten.

Altay: Erzählung von Opa über die ersten Gastarbeiter

Als Cafer Kahveci 1969 als Gastarbeiter aus Türkay nach Dietenhofen kam, hatte er nur seine Kleidung von zuhause eingepackt: kurzärmlige Hemden, dünne Stoffhosen.

 Aber es war kalt in Bayern. Viele Türken liefen in dünnen Kleidern und frierend durch die Straßen, bis paar Dietenhofner ihnen schließlich Jacken usw anboten.

 

Mit vier bis sechs Personen lebte Cafer Kahveci damals in einem Zimmer, die Dietenhofen Industriebetriebe hatten Baracken für die Arbeiter eingerichtet. Es gaben nur Männer, keine Frauen.

 

Doch natürlich entstanden durch die Sprachbarriere nicht nur lustige Geschichten. Mühsam mussten sich die Migranten die Sprache aneignen. Integrationskurse gab es noch nicht. Einige Industriebetriebe schicken Sprachlehrer in die Baracken. Die Verständigung mit deutschen Kollegen auf der Arbeit war schwierig.

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